Lutz
Baseler
Sonnenschein
Der
Regen, der seit Wochen über dem Land niedergegangen war,
hörte unvermittelt auf.
Seitdem die Straßen überschwemmt waren, konnten die Menschen
nicht mehr ihre Häuser verlassen. So riefen sie sich nun
gegenseitig an, um einander ihre Freude zu künden.
Als sich die Wolken verzogen hatten und die Sonne zaghaft
in den großen Pfützen ihre Strahlen spiegelte, tollten
die Kinder auf der Straße umher und wateten mit Gummistiefeln
durch die Wasserlachen. Die Menschen liefen wieder ins
Freie; sie tranken nahezu das Sonnenlicht, das sie für
lange Zeit hatten entbehren müssen. Sie konnten wieder
sehen, daß Bäume und Gras grün waren und der Himmel blau.
Die Sonne schien, als wüßte sie, daß sie viel gutzumachen
hatte. Sie trocknete Felder, Straßen und Plätze. Die Menschen
kehrten zu ihren gewohnten Beschäftigungen zurück; sie
bestellten wieder das Land, fuhren auf den Autobahnen
und trafen sich auf den Plätzen. Bald war es so warm geworden,
daß die Menschen an die Gewässer zogen, badeten und sich
bräunen ließen. Es war ein herrlicher Sommer.
Doch es wurde immer wärmer. Die Kinder in den Schulen
bekamen Hitzeferien und für alle arbeitenden Menschen
wurde ihre Beschäftigung in der Glut zur Qual. Die Sonne
begann, Gras, Bäume und Sträucher zu verdorren. Die Felder
wurden wüstengleich, staubig und vertrocknet. Der Asphalt
wurde weich und die Plätze lagen wie ausgestorben.
Wären die Menschen aus ihren Häusern gegangen, hätte die
Sonne ihnen die Haut verbrannt. Das Wasser wurde knapp
und fast begannen die Menschen, sich die große Regenzeit
zurückzuwünschen.
Doch bald erstickte die Sonne alles, auch die Wünsche
der Menschen.