Stichwort
Martin
Walser
Vermutet
haben wir es ja schon lange, doch nun gibt es mit einer
- allerdings ad nauseam geführten - Untersuchung
den wissenschaftlichen Beweis, daß der Schriftsteller
Martin Walser so seine Probleme mit unseren Mitbürgern
jüdischen Glaubens und mit unserer Geschichte im allgemeinen
hat: der Stuttgarter Verlag J. B. Metzler veröffentlichte
die Arbeit "Auschwitz drängt uns auf einen Fleck" -
Judendarstellung und Auschwitzdiskurs bei Martin Walser
von Matthias N. Lorenz.
Wie
schön, daß sich die Jugend, Lorenz ist zarte 32 Jahre
jung (und noch nicht geboren, als Walser bereits auf knapp
20 Jahre erfolgreiches, mit mehreren Preisen ausgezeichnetes
literarisches Schaffen zurückblicken kann), dieser Thematik
öffnet und einmal ganz unbeeindruckt von Hermeneutik (im
Sinne Schleiermachers)
oder Besonderheiten einer geschichtlichen Situation jene
Stellen des Walserschen Gesamtwerks hervorsucht, die unsere
gerechte Empörung verdienen.
Immer
wieder tauchen bei Walser jüdische Bürger auf, denen stereotype,
aus der Luft gegriffene Vorurteile wie Geldfixiertheit
und Reichtum, eine besondere Nasenform oder Kosmopolitismus
angedichtet werden. Und immer wieder wird in Walsers Arbeiten
auf das Leiden der Deutschen verwiesen, die doch eigentlich
selbst schuld sind und sich - nach gerade einmal 60 Jahren
- aus der Verantwortung stehlen wollen.
Dem
Faß die Krone ins Gesicht schlug Walser mit dem unsäglichen
"Tod eines Kritikers" (2002), in dem die Ermordung des
beliebten Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki suggeriert
wird.
Dem
Buch Lorenz', das mit einem wahrhaft volkstümlichen Preis
von 49,95 € auf dem Ladentisch liegt, wünschen wir eine
weite Verbreitung und viele aufgewühlte, betroffene
und zufriedene Leser.
Thomas
Brandstätter