Entdeckt
- Wiederentdeckt
Die
Frauenkirche in Dresden
Über
Architektur - wie über die Kunst im allgemeinen -
läßt sich trefflich streiten: nicht zuletzt
ist es ihre Symbolkraft, an der sich die Geister scheiden.
Besonders,
wenn es sich um mehr oder minder komplette Rekonstruktionen
oder einen die ursprüngliche Idee modifizierenden
architektonischen Akzent handelt, ist es weniger das Bauwerk
selbst, als seine Wirkung auf das Stadtbild und das Verständnis
der Betrachtenden. Ja, man möchte die beabsichtigte
Ausstrahlung des Wieder- und des Umgebauten geradezu als
ursächlichen Beweggrund und Hintersinn seines Entstehens
annehmen.
Lange
stand im Berliner Zentrum das Reichstagsgebäude ohne
Kuppel wie skalpiert da, bis nunmehr ein käseglockenhafter
Überbau das Ensemble schmückt und sicherlich
so etwas wie Transparenz und Bürgernähe "rüberbringen"
möchte.
Das
Berliner Stadtschloß, dessen Fassade ein Gebäude
zieren soll, das einmal an die Stelle des geschundenen
"Palastes der Republik" treten wird, repräsentierte
eine in sich ruhende, nach festen Wertsetzungen handelnden
Gesellschaft, deren Epoche gerne mit einer "Guten
alten Zeit" verwechselt wird - ein Lebensgefühl,
dessen Surrogat sich vermutlich die Befürworter des
Wiederentstehens gerne schenken möchten.
Und
nun ist mit der Frauenkirche in der Sächsischen Hauptstadt
ein nicht minder wuchtiges Bauwerk wiederentstanden, das
in erster Linie als ein Symbol denn in seiner aktuellen
Funktion als Konzertsaal - geschweige als Gotteshaus -
eine in die Welt strahlende Bedeutung hat.
Am
13. Februar 1945, gut 11 Wochen vor der endgültigen
Niederlage Deutschlands flogen Amerikaner und Briten einen
Bombenangriff auf Dresden, der die Ermordung möglichst
vieler Zivilisten und die Zerstörung einer Kulturstätte
europäischen Ranges zum Ziel hatte - ein Vorhaben,
das als durchweg gelungen bezeichnet werden kann.
Als
Sinnbild für dieses Verbrechen fungierte zu Zeiten
der SED-Herrschaft die Ruine der Frauenkirche - die Frage
eines Wiederaufbaus stellte sich sowohl aufgrund des ambivalenten
Verhältnisses der DDR-Oberen zur Kirche als auch
vor dem Hintergrund der hierfür zu gewärtigenden
Kosten nicht.
Heute,
nachdem Bürgerwille, Mäzene und allgemeine Spendenbereitschaft
den Wiederaufbau ermöglicht haben, steht die Frauenkirche
für eine starke, lebendige Tradition einer alten
Kulturstadt und ist nicht zuletzt ein Zeichen an die Nation,
die noch 1996 dem Mann ein Denkmal errichtete, unter dessen
Kommando sie vor 60 Jahren zerstört wurde.