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Volker
Henning, Mensch
Meier
Thüringische
Bardengesänge
Johann
Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), unser Dichterfürst, ist
letztlich daran gescheitert, dass ihm kein Reim auf das
Wort "Mensch" einfiel. Er ist auch nicht auf die Idee gekommen,
das Wort Mensch an den Anfang eines Gedichts zu setzen,
um so das Problem des Endreims auf "Mensch" von vornherein
loszusein.
Diese Leistung blieb Eugen Roth vorbehalten.
Letzthin hat der Thüringer Bänkelbarde Volker Henning binnen
fünf Jahren circa 900 Gedichte veröffentlicht, deren Anfangsvers
jeweils mit "Ein Mensch" beginnt. Das Beste seiner sieben
Gedichtbände hat der Autor nun in einer Jubiläumsausgabe
zu hundert Gedichten zusammengestellt. Der Titel des Versbandes
lautet: "Mensch Meier", Untertitel: Menschliches zur Genesung.
Vor
Hennings Lyrik ist kein Thema der Moderne und der Postmoderne
sicher. Das lyrische Subjekt, der Mensch, stellt sich allem,
was ihn in unseren schweren und undurchsichtigen Zeiten
anfällt. Das reicht von Zahnradbahnen über Alpträume bis
hin zu den Antipoden des Menschen: Unmensch und Weib. Bisweilen
graust es ihm auch vor sich selbst, wovon das Gedicht Silvesterschwüre
beredt Zeugnis ablegt:
"Ein
Mensch, der im vergangnen Jahr
schon
manchmal eher ein Unmensch war,
der schwört in der Silvesternacht,
daß er es künftig besser macht."
Die
Tragik eigener Fehlbarkeit, die Gewißheit, sich jedes Verbrechens
für fähig zu halten, auch die Tücken des Alltags geht der
Dichter mutig an und sucht sie lyrisch zu bewältigen. Dabei
überwiegt die Heiterkeit die Melancholie. Die vornehmste
Aufgabe von Kunst ist es, das triste Leben zu versüßen,
und genau dies bewirkt Hennings Lyrik.
Hervorzuheben
ist ferner, daß Henning sich der schwierigsten Sprache bedient,
die es überhaupt gibt: der deutschen. Deshalb holpert es
in seinen Versen gelegentlich etwas zu heftig, wogegen durch
einen guten Lektor leicht Abhilfe zu schaffen wäre, so es
denn in unseren verlotterten deutschen Verlagen noch gute
Lektoren gäbe.
Unter
uns lebt, und das stellt der Rezensent dankbar fest, eine
dichterische Begabung vom Format eines Wilhelm Busch. Die
Karikaturen von Ralf Böhme leisten ihr übriges zu diesem
Lyrikband, der Kult werden wird. Ein Lichtblick! Kaufen!
R.
Reimann
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