Wenn
wir schon über Kultur reden...
In
unserem Kulturkreis ist seit Jahrzehnten als Kunst die
Zerstörung ihrer Formen und die Entleerung ihrer Inhalte
zu erleben.
Damit ist jedoch zunächst das Symptom und nicht die Krankheit
benannt; denn der Charakter unserer Existenzweise wirkt
auf die Kunst, was sich in Themen und Formen ihrer Hervorbringungen
zeigt. Der Niedergang ist der des Dargestellten und nicht
einer der Darstellung.
Eine Epoche hat nicht die Wahl,
wie die Kunst beschaffen sein soll, die in ihr entsteht.
Da sie das Kunstwerk prägt, ist sie in diesem zu erkennen.
Die gegenwärtige Kunst gestaltet keine metaphysischen
Ideen mehr, diese sind mit der Säkularisierung abhanden
gekommen.
Ersatz boten weder Entwürfe gesellschaftlicher Entwicklungen,
noch die kunsttheoretischen Ansätze, denen vergangene
Epochen Steinbruch für die Theoriebauwerke ihrer
Artefakte waren.
Das
PANDAIMONION
betreibt keine Kulturkritik. Wie auch: wo es - wie in
unserer vom Konsumdiktat geprägten Zivilisation -
keine Kultur mehr gibt, bleibt auch nichts zu kritisieren.
In jedem italienischen Bergdorf findet selbst der durchschnittlich
aufmerksame Beobachter mehr Kultur als in den Kunst-"szenen"
Hamburgs, Münchens und Castrop-Rauxels.
Damit
man nicht mißverstanden wird: Kultur ist keine Sache der
Eröffnung restaurierten Architektur-Erbes oder die Matinee
geförderter Aktionskünstler in Anwesenheit des Staatssekretärs
mit Schmalzbrot und Rotwein aus Pappbechern - sonst gäbe
es sie ja.
Zur Kultur gehört Stil, gehören ein fester Kanon aus Literatur,
Musik und Bildender Kunst, die Kenntnis von National-
und Weltgeschichte und damit verbunden die Fähigkeit,
diese souverän zur Grundlage persönlicher Deutungen werden
zu lassen.
Gegenwärtige
öffentliche Äußerungen, die in ihrer Gesamtheit Kultur
präsentieren, seien sie politischer, künstlerischer, geschichtlicher
und welcher Natur auch immer, haben als oberstes, generelles
und häufig auch als einziges Merkmal die Beliebigkeit,
sie sind frei jeglicher persönlicher Prägung durch ihren
Urheber, frei jeglicher Prägungspotenz für ihre Rezipienten.
Im Zeitalter der "politischen Korrektheit" eine
auf dem gesellschaftlichen Parkett notwendige Überlebensstrategie:
nur kein Urteil fällen, sich nicht festlegen, im mainstream
ohne anzuecken schwimmen...
All
das ist indes wertfrei betrachtet: Die Befunde implizieren
weder Kritik noch die Vorstellung, es könne anders sein.
Es ist so, und es war schon immer so. Man lehnt sich nicht
allzuweit aus dem Fenster, wenn man mutmaßt, daß es auch
so bleiben wird.
Gegenstand des PANDAIMONION
ist mithin das, was jenseits des Kulturbetriebs entsteht,
ohne Jagd nach Publizität, nach öffentlicher Anteilnahme,
die eher beschmutzt, denn über den Wert des Kunstgegenstands
Auskunft gibt.
Vielleicht wäre es daher besser, auf den Rahmen dieses
Mediums zu verzichten, denn die Gefahr, versehentlich
zur Kenntnis genommen zu werden, ist durchaus gegeben.
Doch andererseits bietet das Internet den Schutz vor ungewollter
Popularität: das Blatt im Wald.
Und
es ist durchaus nicht abwegig zu vermuten, daß das
PANDAIMONION,
jenseits des "mutwillig lärmenden Gezwerges",
beiträgt, ein "hohes Geistergespräch" (Nietzsche)
zu befördern.
Lutz
Baseler